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Aufgabe #58

In ihren Schuhen: Die Gesundheit von Geflüchteten in der humanitären Krise verstehen

Autoren: Assoc. Prof. Paloma Moral de Calatrava

80–90 minutes

In ihren Schuhen: Die Gesundheit von Geflüchteten in der humanitären Krise verstehen

Beschreibung

Studierende erkunden die Gesundheitsherausforderungen von Geflüchteten in humanitären Krisen in vier Phasen: Lesen einer Fallbeschreibung, Gruppendiskussion in vier Gesundheitsbereichen, Rollenspiel einer klinischen Konsultation und individuelle schriftliche Reflexion.

Methodischer Leitfaden

Ziele

Empathie und kritisches Denken über die Gesundheit Geflüchteter entwickeln. Unmittelbare physische und psychische Gesundheitsprobleme vertriebener Bevölkerungen erkennen. Traumasensible und kulturell sensitive Ansätze anwenden. Ethische Herausforderungen in Krisenumgebungen erkennen. Reflexive Praxis stärken.

Erwartete Ergebnisse

Studierende zeigen Empathie und kritische Analyse von Gesundheitsszenarien geflüchteter Menschen; wenden traumainformierte und kulturell sensible Kommunikation im Rollenspiel an; formulieren ethische Überlegungen; und verfassen eine durchdachte individuelle Reflexion.

Übungsablauf

Teil 1 — Fallbeschreibung (10 Min.): Studierende lesen den Fall Samiras einzeln.
Teil 2 — Gruppendiskussion (30 Min.): Kleingruppen besprechen vier Themenfelder: Körperliche Gesundheit, Psychische Gesundheit & psychosoziale Unterstützung, Öffentliche Gesundheit, Ethik und berufliche Rolle.
Teil 3 — Rollenspiel (30 Min.): Ein Studierender spielt Samira, einer die Pflegeperson/Ärztin/den Arzt, einer die dolmetschende Person.
Teil 4 — Reflexion (10 Min. im Unterricht oder als Hausaufgabe): Jede Person schreibt eine kurze Reflexion.

Durchführungsform

Gruppen- und Einzelarbeit in vier aufeinanderfolgenden Phasen. Die Phasen 1 und 4 sind Einzelarbeit; die Phasen 2 und 3 sind Kleingruppenaktivitäten.

Rolle der Lehrkraft

Stellt die Übung und das Fallszenario vor. Begleitet die Kleingruppendiskussionen. Moderiert die Nachbesprechung des Rollenspiels. Schafft einen sicheren, wertfreien Raum für Reflexion.

Theoretische Grundlagen

Die Übung basiert auf fallbasiertem, erfahrungsbasiertem und reflektivem Lernen in der humanitären Gesundheitsbildung. Fallbasiertes Lernen lädt Studierende ein, ein authentisches Flüchtlingslager-Szenario zu analysieren und von den Fakten zum klinischen Denken fortzuschreiten. Erfahrungsbasiertes Lernen (Kolb) strukturiert die vier Phasen als Zyklus: konkreter Fall, reflektierende Gruppendiskussion, abstrakte Konzeptualisierung von Prioritäten und aktives Experimentieren durch Rollenspiel. Traumainformierte und kulturell sensible Versorgung betrachtet psychisches Leid, Würde und kulturellen Hintergrund als integrale Bestandteile jeder klinischen Entscheidung. Reflektierendes Handeln (Schön) verwandelt die abschließende schriftliche Reflexion in professionelles Selbstbewusstsein über noch zu entwickelnde Fähigkeiten.

Praktische Anwendung

Studierende sammeln direkte Erfahrung in der Formulierung von Versorgungsprioritäten für eine komplexe Patientin in einem ressourcenarmen Umfeld. Sie üben aktives Zuhören, traumainformierte Kommunikation und ethisch fundierte Entscheidungsfindung — Kompetenzen, die unmittelbar auf die multikulturelle klinische Praxis übertragbar sind.

Wissenstransfer

Nach Abschluss dieser Übung können Studierende die physischen, psychosozialen und gesundheitlichen Bedürfnisse von Flüchtlingspopulationen benennen; kulturelle Sensibilität in simulierten Konsultationen anwenden; und kritisch über ihre eigenen emotionalen Reaktionen und beruflichen Entwicklungsbereiche reflektieren.

Festigung und Reflexion

Die abschließende Reflexionsfrage fordert die Studierenden auf, Emotionen zu benennen, die sie während der Falldiskussion erlebt haben, sowie eine bestimmte Fähigkeit oder Erkenntnis, die sie bei der Arbeit mit Geflüchteten oder Migrantinnen und Migranten stärken möchten.

Benötigte Ressourcen

Elektronische Geräte mit Zugang zur MultiCultiMed-Plattform. Internetverbindung.

Bewertung / Evaluation

Qualität der Beiträge zur Gruppendiskussion; Realismus und Empathie im Rollenspiel; Tiefe der individuellen schriftlichen Reflexion.

Praktische Tipps

Ermutigen Sie die Studierenden, während des Rollenspiels in ihrer Rolle zu bleiben und in ihrer Reflexion konkret statt allgemein zu sein. Erinnern Sie die Gruppe daran, dass es keine ‚richtigen' Antworten gibt — das Ziel ist reflektiertes Engagement.

Diskussionsthemen

Soziale Determinanten von Gesundheit bei Vertreibung. Grundsätze traumainformierter Versorgung. Kulturelle und sprachliche Barrieren im klinischen Umfeld. Medizinethik in humanitären Notlagen.

Weitere Ressourcen

UNHCR. (2019). The global compact on refugees. United Nations High Commissioner for Refugees. WHO. (2018). Refugee and migrant health. World Health Organization. Bhugra, D., & Becker, M. A. (2005). Migration, cultural bereavement and cultural identity. World Psychiatry, 4(1), 18–24.

Zusätzliche Bemerkungen

Der Fall von Samira ist bewusst kurz gehalten, um Raum für die Vorstellungskraft und Empathie der Studierenden zu lassen. Dozierende sollten auf starke emotionale Reaktionen vorbereitet sein, insbesondere von Studierenden mit eigener Migrationserfahrung.