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Übungskatalog
Begegnung mit Sokrates – Arbeit an Vorurteilen im Kontext kultureller Vielfalt
Aufgabe #24
Begegnung mit Sokrates – Arbeit an Vorurteilen im Kontext kultureller Vielfalt
Autoren: PhD Magdalena Kuczyńska
approximately 90 minutes
Beschreibung
Eine reflexive Selbstanalyseübung, bei der Studierende ihre eigenen kulturellen Vorurteile und Stereotypen in drei Kategorien individuell erfassen, anschließend gemeinsam ein ausgewähltes Vorurteil mithilfe der sokratischen Dialogmethode und des 'Gedankenbaum'-Rahmens untersuchen und negative Wahrnehmungen in kulturell offene Perspektiven transformieren.
Methodischer Leitfaden
Ziele
Eigene Vorurteile gegenüber kulturellen Unterschieden erkennen. Reflexion über die eigene moralische Haltung gegenüber kultureller Vielfalt fördern. Konstruktive Selbstkritik an den eigenen kulturellen Vorurteilen anregen. Eine Haltung des Respekts und der Offenheit gegenüber kultureller Pluralität entwickeln.
Erwartete Ergebnisse
Persönliche Vorurteile in Bezug auf kulturelle Vielfalt identifizieren und die damit verbundenen Emotionen erkennen. Negative soziale Konsequenzen von Beziehungen antizipieren, die auf kulturellen Vorurteilen basieren. Zwischen Verhaltensweisen unterscheiden, die in kultureller Vielfalt verwurzelt sind, und solchen, die rechtliche und soziale Normen verletzen. Die Fähigkeit entwickeln, den «Rahmen kultureller Vorurteile» in einen «Rahmen kultureller Offenheit» umzuwandeln. Beziehungen zu Patientinnen und Patienten sowie Kolleginnen und Kollegen aufbauen, die auf kultureller Kompetenz basieren.
Übungsablauf
Vorbereitung vor dem Kurs: Bitten Sie jeden Studierenden, über 'Meine Einstellung zur kulturellen Vielfalt – Vorurteile und Bedenken' nachzudenken und einen Auszug aus Platons Apologie des Sokrates zu lesen. Einführung (10 Min.): Stellen Sie die Grenzen der kulturellen Toleranz vor. Ebene 1a (~10 Min.): Studierende füllen den dreiteiligen 'Rahmen der kulturellen Vorurteile' einzeln aus. Erweiterungsphase Ebene 1 (5 Min.): Vertiefung eines Vorurteils anhand sokratischer Leitfragen. Ebene 2a – Einführung in die Kleingruppenarbeit (5 Min.): Rahmen teilen, 3–4 Vorurteile auswählen, Kleingruppen von 4–5 Personen bilden. Ebene 2b – Kleingruppenarbeit (25 Min.): Jede Gruppe analysiert das zugewiesene Vorurteil und erstellt einen 'Gedankenbaum'. Diskussion (~20 Min.): Gruppen präsentieren ihre Bäume; moderierte Diskussion mit der gesamten Gruppe. Zusammenfassung (10 Min.): Schlüsselkonzepte rekapitulieren. Abschlussreflexion (5 Min.): Was war die wichtigste Erkenntnis? Würden Sie ein anfängliches Vorurteil überdenken?
Durchführungsform
Stufe 1 — Einzelarbeit: kreative Analyse eigener Überzeugungen und Vorurteile im Kontext kultureller Vielfalt, gefolgt von der Erstellung des «Rahmens kultureller Vorurteile». Stufe 2 — Kleingruppenarbeit: kollaborative Arbeit in Kleingruppen, fokussiert auf einen ausgewählten Bereich negativer Überzeugungen (Vorurteile). Diskussion — Gruppenpräsentation der Arbeitsergebnisse aus den Untergruppen und eine gemeinsame, moderierte Diskussion.
Rolle der Lehrkraft
Sokratischer Leiter — durch Anwendung der sokratischen Elenktik (Stellen einer Reihe von Fragen zu den Aussagen des Gesprächspartners) ermutigt der Lehrende die Studierenden zur Selbstreflexion über ihr eigenes Weltbild. Hebamme des Denkens — der Lehrende lehnt die von Studierenden geäußerten Vorurteile nicht ab. Stattdessen führt er sie durch durchdachte Fragen zu einer inneren Konfrontation mit ihren eigenen Aussagen und regt zur Überprüfung und «Geburt» neuer, auf kulturelle Offenheit ausgerichteter Überzeugungen an.
Theoretische Grundlagen
Die Übung basiert auf den Prinzipien des transformativen Lernens: Desorientierendes Dilemma — Studierende reflektieren gemeinsam über persönliche Vorurteile gegenüber ausgewählten kulturellen und visuellen Unterschieden und vergleichen diese Wahrnehmungen kritisch mit kulturell fundierten Verhaltensnormen. Kritische Reflexion — Studierende untersuchen die zugrunde liegenden Faktoren, die zur Entwicklung ihrer kulturellen Vorurteile beigetragen haben könnten. Dialog und Handeln — unter Verwendung der Vorurteilskarten als Ausgangspunkt initiieren Studierende einen Dialog über die Auswirkungen negativer kultureller Annahmen in interkulturellen Interaktionen. Zusätzlich kann auf den «Rahmen kultureller Vorurteile» verwiesen werden, der von Studierenden aus anderen Ländern auf der MultiCultiMed-Plattform erstellt wurde.
Praktische Anwendung
Die Übung stellt eine wichtige Komponente in der Entwicklung interkultureller Kompetenz dar, indem sie die Selbstreflexion der Studierenden über ihre moralischen Einstellungen zur kulturellen Vielfalt fördert. Sie ermöglicht den Teilnehmenden, individuelle Quellen von Vorurteilen zu identifizieren und mit aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen zu konfrontieren. Ein Schlüsselelement ist die Unterscheidung zwischen Verhaltensweisen, Ritualen und visuellen Ausdrucksformen, die in kulturellen Traditionen verwurzelt sind, und Praktiken, die die rechtlichen und gewohnheitsmäßigen Normen eines bestimmten Landes verletzen.
Wissenstransfer
Der Studierende stärkt die kritische Selbstreflexion bezüglich der eigenen kulturellen Vorurteile. Auf dieser Grundlage erhält er die Möglichkeit, negative Wahrnehmungen kultureller Unterschiede zu transformieren und offene und respektvolle Beziehungen zu Patientinnen und Patienten sowie Kolleginnen und Kollegen im Gesundheitswesen zu fördern.
Festigung und Reflexion
Selbstanalyse der zugrunde liegenden Quellen, die negative Einstellungen gegenüber kulturellen Unterschieden prägen. Individuelle Arbeit des Studierenden am persönlichen «Rahmen kultureller Vorurteile» im Profil auf der MultiCultiMed-Plattform, gefolgt von dessen schrittweiser Transformation in einen «Rahmen kultureller Offenheit».
Benötigte Ressourcen
Stufe 1 — Elektronische Geräte (Tablets, Mobiltelefone oder Laptops) mit Internetzugang. Stufe 2 — Ein Projektor, der es dem Lehrenden ermöglicht, die von Studierenden in Stufe 1 erstellte Übung zu präsentieren. Alternative: Papierbögen, ein Whiteboard und Marker.
Bewertung / Evaluation
Bitten Sie die Studierenden um eine kurze Reflexion zu folgender Frage: Würden Sie nun eine der Überzeugungen überdenken, die Sie ursprünglich in Ihren «Rahmen kultureller Vorurteile» aufgenommen haben?
Praktische Tipps
Gewährleisten Sie die Anonymität des «Rahmens kultureller Vorurteile» — die Übung dient der Selbstreflexion. Schaffen Sie eine sichere und respektvolle Umgebung. Beurteilen Sie die Ansichten der Studierenden nicht und drängen Sie ihnen nicht Ihre eigene Meinung auf — lassen Sie sie sich eigenständig mit ihren Vorurteilen auseinandersetzen. Wenn Ihre Gruppe Studierende mit unterschiedlichem kulturellem Hintergrund umfasst (Geographie, Religion oder Sexualität), achten Sie besonders auf die Aufrechterhaltung eines ruhigen und respektvollen Dialogs.
Diskussionsthemen
Beeinflussen Ihrer Meinung nach soziale Medien unsere moralischen Einstellungen gegenüber kulturellen Unterschieden? Welche moralischen Kompetenzen können Ihre Eigenständigkeit bei der Gestaltung von Einstellungen zur kulturellen Vielfalt unterstützen? Welche Methoden können vorgeschlagen werden, um ein von kulturellen Vorurteilen freies Beziehungsumfeld mit Patientinnen und Patienten sowie Kolleginnen und Kollegen zu fördern?
Weitere Ressourcen
Lee S., Kim B.: Exploring How Stereotype Modification Mediates the Relationship between Social Dominance and Multicultural Acceptance. Behav Sci (Basel). 2024 Aug 26;14(9):745. doi: 10.3390/bs14090745 — Chaika O., Sharmanova N.: Multiculturalism in modern mass media: analysis of stereotypes. Amazonia Investiga, 11(60), 10–22. https://doi.org/10.34069/AI/2022.60.12.1 — Marpelina L.: Exploring Multiculturalism and Intolerance: Understanding the Dynamics of Diversity. Jurnal Pendidikan Multikultural Indonesia 6(2):66–75. DOI:10.23887/jpmu.v6i2.64695
Zusätzliche Bemerkungen
Wenn Ihre Gruppe Studierende mit unterschiedlichem kulturellem Hintergrund umfasst — insbesondere in Bezug auf Geographie, Religion oder Sexualität — achten Sie besonders auf die Aufrechterhaltung eines ruhigen und respektvollen Dialogs während der Diskussionen. Das Ziel des Unterrichts ist es, Studierende zusammenzubringen, nicht zu spalten.