Aufgabe #35
Gruppenvertrag
Autoren: Dr Małgorzata Szkup
15–25 minutes
Beschreibung
Erstellen Sie gemeinsam einen Gruppenvertrag, der die Regeln für die Zusammenarbeit während der Sitzungen über Multikulturalismus und Antidiskriminierung festlegt. Der Vertrag stellt sicher, dass sich jede teilnehmende Person sicher, respektiert und frei fühlt, ihre Meinungen zu äußern und konstruktiv an Diskussionen über sensible Themen teilzunehmen.
Methodischer Leitfaden
Ziele
Aufbau eines sicheren, inklusiven und respektvollen Lernumfelds. Gemeinsames Entwickeln von Regeln, die Kommunikation und Zusammenarbeit im Unterricht regeln. Stärkung des Verantwortungsgefühls der Studierenden für den Verlauf und die Atmosphäre des Unterrichts. Förderung einer Haltung von Respekt, Offenheit, Empathie und Dialog in einem multikulturellen Umfeld. Schaffung eines Rahmens, der konstruktive und nicht diskriminierende Diskussionen über sensible oder konfliktträchtige Themen ermöglicht. Steigerung des Bewusstseins für die unterschiedlichen Bedürfnisse der Teilnehmenden und ihren Einfluss auf den Unterrichtsverlauf.
Erwartete Ergebnisse
Nach Abschluss der Übung: versteht der Studierende die Bedeutung eines sicheren Raums in Diskussionen über Multikulturalismus; ist in der Lage, Regeln zur Kommunikation und Zusammenarbeit mitzugestalten; fühlt sich mitverantwortlich für die Qualität der Interaktionen in der Gruppe; kennt und akzeptiert den vereinbarten Vertrag; ist in der Lage, ähnliche Werkzeuge in anderen realen Arbeitskontexten anzuwenden.
Übungsablauf
Vorbereitung (3 Minuten): Erläutern Sie den Zweck — Erstellung eines gemeinsamen Vertrags, der Sicherheit und Respekt gewährleistet. Betonen Sie, dass der Vertrag für den gesamten Kurs gilt, und kündigen Sie die Möglichkeit einer elektronischen Unterzeichnung an. Abschnitt 1 — Brainstorming (ca. 7 Min.): Jede/r Studierende überlegt, was sie/er braucht, um sich sicher, respektiert und gehört zu fühlen, und veröffentlicht die vorgeschlagenen Regeln an der gemeinsamen Reflexionswand. Abschnitt 2 — Vertrag verfeinern (ca. 7 Min.): Nach Durchsicht der Vorschläge anderer formuliert jede/r Studierende den überarbeiteten Vertragstext. Abschnitt 3 — Vertrag unterzeichnen (ca. 3 Min.): Die Studierenden fügen ihre elektronische Unterschrift als Akt der Annahme hinzu. Abschlussreflexion (5 Minuten): „Wie kann ich dazu beitragen, die im Vertrag festgelegten Regeln einzuhalten?“
Durchführungsform
Drei aufeinanderfolgende Stufen mit individueller Progression: Stufe 1 Brainstorming — individuelle Vorschläge werden an einer Reflexionswand mit anderen geteilt. Stufe 2 Überarbeitung — jeder Studierende formuliert den Wortlaut des vereinbarten Vertrags. Stufe 3 Unterzeichnung — jeder Studierende leistet eine elektronische Unterschrift als Akt der Zustimmung.
Rolle der Lehrkraft
Moderator — leitet den Prozess der Vertragserstellung und gewährleistet die gleichmäßige Beteiligung aller. Facilitator — ermutigt Teilnehmende, Ideen einzubringen, und achtet auf die Art der Äußerungen. Sicherheitswächter — achtet auf Sprache, Atmosphäre, Transparenz und Respekt. Neutraler Beobachter — erzwingt keine eigenen Regeln, sondern hilft der Gruppe, eine gemeinsame Vereinbarung zu erreichen.
Theoretische Grundlagen
Die Übung basiert auf den Prinzipien des EMPOWER-Modells, das betont: E – Effektivität: Klare Regeln steigern die Effizienz der Gruppenarbeit und ermöglichen den Teilnehmenden, sich frei am Lernprozess zu beteiligen. M – Multikulturalismus: Der Vertrag verhindert Stereotypisierung und schafft Raum für das offene Äußern unterschiedlicher Perspektiven. P – Professionalität: Die Übung fördert ethische Kommunikation, gegenseitigen Respekt und Verantwortung. W – Wohlbefinden: Eine sichere Atmosphäre reduziert Stress und ermöglicht volles Engagement. ER – Bildungsressourcen: Der Vertrag als Werkzeug dient als dauerhafte Ressource zur Regulierung des Bildungsprozesses. Die Übung gründet auf den Prinzipien der antidiskriminierenden Bildung, der Kommunikationspsychologie, der Gruppendynamik und zeitgenössischer Ansätze zur Schaffung sicherer Dialogräume.
Praktische Anwendung
Der erstellte Vertrag wird zu einem praktischen Arbeitsinstrument für nachfolgende Unterrichtseinheiten: Er erleichtert den Dialog auf inklusive und wertfreie Weise, verhindert die Dominanz und den Ausschluss einzelner Teilnehmender, unterstützt Gespräche über Multikulturalismus, Vorurteile, soziale Ungleichheiten und Diskriminierung, stärkt die Verantwortung der Studierenden für das Kommunikationsklima und entwickelt Fähigkeiten, die in der Teamarbeit und in professionellen Interaktionen nützlich sind (z. B. Arzt-Patient, Pflegekraft-Angehörige, interdisziplinäre Zusammenarbeit).
Wissenstransfer
Die Studierenden erwerben die Fähigkeit: Kooperationsregeln in diversen Teams zu erstellen, eigene Bedürfnisse und Grenzen zu erkennen, die vereinbarten Normen auf andere Kontexte zu übertragen — klinische, berufliche und soziale, kommunikative Vertragsgestaltung in Konfliktsituationen anzuwenden, Werkzeuge zum Aufbau eines sicheren Raums in der Arbeit mit Patienten und Gruppen unterschiedlicher kultureller Hintergründe anzupassen. Der Transformationsprozess vollzieht sich durch das Bewusstwerden des Wertes gemeinsamer Normen, die Auswahl und Begründung der Regeln sowie die Verinnerlichung des Vertrags als kollektive Verpflichtung.
Festigung und Reflexion
Die Studierenden werden ermutigt, darüber nachzudenken, welche Regeln für ihr Sicherheitsgefühl entscheidend sind, ihre eigenen Reaktionen auf verschiedene Vorschläge anderer zu analysieren, zu überlegen, wie der Vertrag ihre Bereitschaft zum offenen Dialog beeinflusst, und weiterhin zu beobachten, ob die vereinbarten Regeln in der Praxis tatsächlich funktionieren. Mögliche Reflexionsfragen: 'Welches Element des Vertrags ist mir am wichtigsten und warum?' 'Welche Regeln helfen mir, mich auf schwierige Gespräche einzulassen?' 'Wie kann ich als Gruppenmitglied zur Einhaltung des Vertrags beitragen?'
Benötigte Ressourcen
Elektronische Geräte wie Tablets, Smartphones oder Laptops mit Zugang zur MultiCultiMed-Plattform. Internetverbindung für den Zugriff auf die Übung auf der Plattform. Ein Gerät, das das Zeichnen einer Unterschrift unterstützt (Touchscreen, Trackpad oder Maus).
Bewertung / Evaluation
Individuelle Reflexion. Beobachtung der Beiträge der Studierenden zum Regelentwicklungsprozess an der Wand in Stufe 1. Bewertung des Grades, in dem der Vertrag bei nachfolgenden Übungen angewendet wird.
Praktische Tipps
Verwenden Sie eine neutrale und inklusive Sprache. Erzwingen Sie keine Regeln — lassen Sie die Studierenden sie entwickeln. Ermutigen Sie zur positiven Formulierung von Regeln (z. B. 'sprechen Sie aus Ihrer Perspektive' statt 'urteilen Sie nicht über andere'). Stellen Sie sicher, dass alle die Möglichkeit haben, Vorschläge einzubringen. Laden Sie nach Stufe 1 die Gruppe ein, zu besprechen, welche Vorschläge sich wiederholen, bevor jeder Studierende in Stufe 2 seinen Vertrag formuliert.
Diskussionsthemen
Welche Regeln sind universell und welche hängen von den Besonderheiten der Gruppe ab? Was ist die größte Herausforderung bei der Einhaltung von Gruppenverträgen? Wie kann man reagieren, wenn eine Regel gebrochen wird?
Weitere Ressourcen
Vergleich des Vertrags mit den im beruflichen Arbeitsumfeld geltenden Regeln.
Zusätzliche Bemerkungen
Der Vertrag kann während des Kurszyklus aktualisiert werden — es ist wichtig, dass die Studierenden ein Gefühl der Mitverantwortung für das Dokument empfinden. Regeln sollten kurz, konkret und auf positiver Absicht basierend sein.