Aufgabe #30
Die Diversity-Herausforderung
Autoren: Dr hab. Małgorzata Szkup, Dr Paulina Zabielska
60–90 minutes
Beschreibung
Ein reflektives Kartenspiel, bei dem Studierende in Kleingruppen arbeiten und definierte Rollen rotieren (Leiter, Denker, Hauptakteur, Aktivator, Beobachter), um 12 reale Situationen zu den Themen Religion, LGBTQ+, Behinderung, Ethnizität, psychische Gesundheit und andere Dimensionen der Vielfalt zu erkunden. Die Übung fördert Empathie, Selbstwahrnehmung und kulturell sensible Kommunikation durch Perspektivenwechsel und kollaborative Wissensschaffung.
Methodischer Leitfaden
Ziele
Reflexive interkulturelle Kompetenzen entwickeln. Empathie, Selbstwahrnehmung und achtsame Kommunikation stärken. Erkennen, wie Kultur Interaktionen, Beziehungen und Teamarbeit prägt. Kollaboratives Arbeiten mit definierten Gruppenrollen üben. Wissen über Ausgrenzung, Stereotypen und Vielfalt vertiefen. Lernen, auf schädliche oder ausgrenzende Verhaltensweisen zu reagieren. Eine Haltung aufbauen, die auf Respekt und Neugier statt auf Urteilen basiert.
Erwartete Ergebnisse
Studierende können Mikroaggressionen, Stereotype und Ausgrenzungsmechanismen identifizieren; effektiv mit strukturierten Gruppenrollen arbeiten; verstehen, wie Personen aus Minderheitengruppen mit Empathie und Kompetenz unterstützt werden können; Strategien für den Umgang mit herausfordernden interkulturellen Interaktionen kennen; den Wert erkennen, den Vielfalt für Teamarbeit und Kommunikation bringt; ihre Erfahrungen auf reale berufliche Kontexte übertragen.
Übungsablauf
Einführung (5 Min.): Erkläre die Ziele, Regeln und Struktur des Kartensystems. Betone, dass es bei der Übung nicht ums Gewinnen geht — es geht um gemeinsames Erforschen. Stufe 1 — Gruppenarbeit (12–20 Min. pro Runde): Der Leiter führt die Gruppe durch jede Karte (Situation → Reflexion → Perspektive → Aktion → Wissen); die Mitglieder reflektieren und diskutieren entsprechend ihrer Rollen. Debriefing (10–15 Min.): Gemeinsame Diskussion darüber, was schwierig, überraschend oder bedeutsam war. Stufe 2 — Endprodukt: Jede Gruppe erstellt ein Bildungsprodukt auf Basis der Wissenskarte (Kurzvortrag, Forschungsbriefing, Infografik, Verhaltenskodex, Poster, Social-Media-Beitrag oder Kurzvideo) mit verlässlichen Quellen. Stufe 3 — Diskussion (10–15 Min.): Präsentation der Ergebnisse vor allen Studierenden, anschließend Gruppendiskussion. Zusammenfassung (5–10 Min.): Die Lehrkraft dankt den Studierenden für ihre engagierte Teilnahme.
Durchführungsform
Gruppenarbeit (4–6 Studierende pro Gruppe, idealerweise 5). Wenn die Gruppengröße von 5 abweicht, kann ein Beobachter hinzugefügt oder weggelassen werden. Studierende rotieren die Rollen im Uhrzeigersinn nach jeder Runde, sodass jeder Teilnehmende jede Perspektive erlebt. Anpassbar für Präsenz- oder Online-Format (Breakout-Räume).
Rolle der Lehrkraft
Einen sicheren, respektvollen Raum für Diskussionen schaffen. Gruppendynamik beobachten und Leiter bei der Moderation des Dialogs unterstützen. Reflexion fördern, ohne die Antworten der Studierenden zu bewerten. Studierende dabei anleiten, ihre Erfahrungen mit klinischer oder beruflicher Praxis zu verbinden. Bei der Interpretation der Wissenskarte helfen und Studierende zu verlässlichen Quellen lenken.
Theoretische Grundlagen
Die Übung baut auf drei Schlüsselfundamenten auf: (1) Transformatives Lernen — durch die Auseinandersetzung mit desorientierenden Dilemmata werden Studierende ermutigt, ihre Annahmen zu hinterfragen und eine tiefere kulturelle Reflexivität zu entwickeln. (2) Theorien über Vorurteile und Stereotypisierung — die Karten illustrieren reale Beispiele von Stereotypen, die verschiedene Gruppen betreffen (religiöse Minderheiten, LGBTQ+-Personen, ethnische Minderheiten, Migrantinnen und Migranten, ältere Menschen, Menschen mit Behinderungen), und zeigen, wie vereinfachte Überzeugungen entstehen, Emotionen und Entscheidungen beeinflussen und durch sozialen Kontext, Sprache und kognitive Gewohnheiten geformt werden. (3) Empathieaufbau und Perspektivübernahme — Perspektivkarten laden Studierende in die Erfahrungswelt von Menschen ein, die Ausgrenzung erleben, was eine der wirksamsten Methoden zur Reduzierung von Vorurteilen ist. Die Übung ist auf Schlüsselelemente von EMPOWER abgestimmt, insbesondere Multikulturalität (M), Professionalität (P) und Wohlbefinden (W).
Praktische Anwendung
Studierende werden aufmerksamer gegenüber Patientinnen und Patienten aus Minderheitengruppen, erkennen Momente, in denen Stereotype die Kommunikation beeinflussen, reagieren effektiver auf Mikroaggressionen oder ausgrenzendes Verhalten, führen sensible Gespräche mit Sorgfalt, bauen inklusive Teamumgebungen auf und stärken die für multikulturelle klinische Kontexte notwendigen Kompetenzen.
Wissenstransfer
Studierende lernen, ihre eigenen Reaktionen in Echtzeit zu beobachten, unbewusste Annahmen in bewusste reflektierte Entscheidungen umzuwandeln, Fragen zu stellen statt Lücken mit Stereotypen zu füllen, unterstützende Strategien in herausfordernden interkulturellen Situationen anzuwenden und individuelle Erfahrungen von Ausgrenzung mit breiterem theoretischem Wissen zu verbinden.
Festigung und Reflexion
Nach jeder Runde reflektieren Studierende über: Was hat mich in dieser Situation am meisten betroffen? Wer hatte in dieser Geschichte Macht und wer nicht? Was hat mich an der Perspektivkarte überrascht? Welche Stereotype oder Missverständnisse traten zutage? Wie könnten ähnliche Situationen im Gesundheitswesen auftreten? Die Reflexion kann individuell, paarweise oder in der Gruppe erfolgen.
Benötigte Ressourcen
Elektronische Geräte (Tablets, Smartphones oder Laptops) mit Zugang zur MultiCultiMed-Plattform. Internetverbindung. Rollenkartenbeschreibungen sind in die Übung eingebettet.
Bewertung / Evaluation
Bewertung des von der Gruppe erstellten Bildungsprodukts auf Basis der Wissenskarte; Fähigkeit, verlässliche wissenschaftliche Quellen zu suchen und zu nutzen, um eigenes Wissen und eigene Überzeugungen zu Vielfalt und Multikulturalismus aufzubauen; Engagement bei der Aufgabenerledigung.
Praktische Tipps
Je nach verfügbarer Zeit eine oder mehrere Runden durchführen. Ein gemeinsames Zeitlimit für jede Runde für alle Gruppen festlegen (z. B. 15–20 Minuten). Das Bildungsprodukt auf Basis der Wissenskarte kann als Hausaufgabe oder selbstständige Arbeit nach dem Unterricht behandelt werden.
Diskussionsthemen
Was hat Sie an der Perspektivkarte am meisten überrascht? Welche Stereotype oder Missverständnisse traten in Ihrer Gruppe zutage? Wie könnte eine ähnliche Situation im Gesundheitswesen aussehen? Wie werden Sie beim nächsten Mal anders reagieren?
Weitere Ressourcen
Relevant für spezifische Kartenthemen: WHO- und APA-Richtlinien zur LGBTQ+-Inklusion; UNESCO-Ressourcen zur interkulturellen Bildung; nationale Statistiken zu Migration, Behinderung und psychischer Gesundheit; akademische Quellen zum transformativen Lernen (Mezirow, 1991), Stereotype Threat und Mikroaggressionen.
Zusätzliche Bemerkungen
Das Spiel beinhaltet keine Gewinner oder Wettbewerb — sein Ziel ist gemeinsame Reflexion. Die Karten 1–5 können anfangs verdeckt gehalten und gleichzeitig aufgedeckt werden, damit die Studierenden ihre Rollen gemeinsam entdecken.