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Startseite Übungskatalog Was die Leute sagen…
Aufgabe #38

Was die Leute sagen…

Autoren: Dr hab. Małgorzata Szkup

32–55 minutes

MultiCultiMed

Beschreibung

Studierende lesen vier kurze Beschreibungen von Personen aus unterschiedlichen sozialen, ethnischen und religiösen Hintergründen und schreiben anonym gängige Meinungen, Stereotype und soziale Vereinfachungen auf, die in der Gesellschaft über solche Personen oder die Gruppen, denen sie angehören, kursieren.

Methodischer Leitfaden

Ziele

Stereotype und soziale Vereinfachungen erkennen, die auf verschiedene Gruppen angewendet werden. Verstehen, wie Stereotype Emotionen, Beziehungen und Verhaltensweisen beeinflussen. Kritisches Denken darüber entwickeln, woher diese Meinungen wirklich kommen. Erkennen, dass Stereotype auch ohne persönliche Erfahrung als Grundlage wirken. Eine reflexive und antidiskriminatorische Haltung in interkulturellen Begegnungen kultivieren.

Erwartete Ergebnisse

Nach dieser Übung kann der Studierende ein Stereotyp identifizieren und erkennen, versteht, wie ein Stereotyp die beurteilte Person beeinflusst, sieht, dass Stereotype auch dann wirken, wenn niemand beabsichtigt, jemandem zu schaden, kann die eigenen Reaktionen bewusst analysieren und hat ein besseres Verständnis der Risiken, die durch Vereinfachungen in der Patientenversorgung entstehen.

Übungsablauf

Einführung (2–3 Min.): Erkläre Zweck und sensiblen Charakter der Übung; betone die Anonymität; stelle die vier Profile vor.
Ebene 1 — Einzelarbeit (5–7 Min.): Studierende tragen ihre Assoziationen, Beobachtungen und sozialen Kommentare ein, die rund um die beschriebenen Personen kursieren.
Ebene 2 — Gruppenaktivität: Einträge anzeigen und ordnen (5–10 Min.): Einträge erscheinen auf dem Bildschirm und bilden eine Stereotypen-Karte. Studierende diskutieren und ordnen sie.
Ebene 3 — Rollenspiel (5–10 Min.): Vier ausgewählte Studierende lesen die Stereotype-Liste laut vor, als ob sie über sich selbst sprechen würden.
Ebene 4 — Diskussion (5–10 Min.): Die Gruppe beginnt zu erkennen, dass Stereotype oft nicht auf persönlichen Erfahrungen beruhen.
Zusammenfassung (5–10 Min.): Dank und Besprechung der Diskriminierungskette.
Abschlussreflexion (5 Min.): Tagebuchfrage: Wie können Stereotype, auch unbewusste, meinen Umgang, meine Interpretation und meine Entscheidungen beeinflussen — besonders in der Patientenbeziehung?

Durchführungsform

Die Übung hat sowohl individuelle als auch Gruppenkomponenten. Jeder Studierende gibt anonym über sein eigenes Gerät alle Stereotype oder verbreiteten Meinungen ein, die diese Personen seiner Meinung nach in der Gesellschaft erleben könnten. Die Antworten erscheinen in Echtzeit auf dem Board. Die Gruppe untersucht gemeinsam dieses kollektive Porträt von Stereotypen. Der Facilitator leitet die Diskussion mit dem Ziel, die Mechanismen hinter Stereotypen zu verstehen, nicht die Studierenden zu beurteilen.

Rolle der Lehrkraft

Schafft eine sichere Atmosphäre — das ist entscheidend. Erklärt, dass die Übung nicht dazu dient, jemanden herauszugreifen, sondern das Phänomen zu analysieren. Moderiert das Gespräch und sorgt dafür, dass es nicht in eine Verurteilung von Gruppen übergeht. Fasst die Mechanismen der Stereotypen und ihre Konsequenzen zusammen. Lenkt behutsam, aber konsequent die Aufmerksamkeit der Studierenden von 'was Leute sagen' auf 'warum Leute es sagen'.

Theoretische Grundlagen

Stereotype begleiten uns jeden Tag — sie erscheinen in der Sprache, den Medien, Traditionen und in dem, was wir zwischen den Zeilen lernen. Wesentliche Merkmale von Stereotypen: Sie sind vereinfachte und weit verbreitete Überzeugungen über eine soziale Gruppe; werden sozial und kulturell über Generationen weitergegeben; entstehen in der Regel nicht durch direkte persönliche Erfahrung, sondern durch Sozialisation, Medien und kulturelle Narrative; sind emotional aufgeladen und wertend, sodass Menschen widersprüchliche Informationen ignorieren. Diese Übung ordnet sich in das EMPOWER-Modell ein und fördert die kritische Auseinandersetzung mit eigenen Überzeugungen und Emotionen, insbesondere in der Arbeit mit Patienten.

Praktische Anwendung

Nach Abschluss der Übung erhalten die Studierenden einen praktischen Referenzpunkt für berufliche Situationen, in denen es leicht ist, voreilige Schlüsse über einen Patienten zu ziehen, Stereotype die Kommunikationsqualität beeinflussen können, Sprache, Herkunft oder Religion eine Barriere oder Quelle von Missverständnissen sein können, und Vorurteile — einschließlich unbewusster — Entscheidungen oder klinische Interaktionen formen können.

Wissenstransfer

Nach Abschluss dieser Aufgabe beginnen die Studierenden, leichter zu erkennen, wann ein Stereotyp automatisch ausgelöst wird, lernen, Fakten von sozialer Erzählung zu trennen, verstehen, dass Stereotype Diagnose, Gespräch und Interpretation des Patientenverhaltens beeinflussen können, und können die bedeutende Rolle des kulturellen und medialen Kontexts bei der Meinungsbildung beobachten.

Festigung und Reflexion

Die Studierenden werden zur Reflexion angeregt über: Wie habe ich mich beim Hören dieser Beschreibungen gefühlt? Was hat meine Emotionen ausgelöst? Inwieweit wird das, was ich geschrieben habe, tatsächlich in der Gesellschaft gehört? Wie würde die beschriebene Person solche Kommentare empfinden? Woher kamen meine Ideen für diese Stereotype — Erfahrung, Medien, Schule, Zuhause?

Benötigte Ressourcen

Elektronische Geräte (Tablets, Smartphones oder Laptops) mit Zugang zur MultiCultiMed-Plattform. Eine Internetverbindung.

Bewertung / Evaluation

Individuelle schriftliche Reflexion; Engagement und Aufmerksamkeit in der Diskussion; Verständnis der Funktionsmechanismen von Stereotypen; Fähigkeit, die Inhalte auf die berufliche Praxis zu beziehen.

Praktische Tipps

Betonen Sie, dass die Einträge anonym sind — das fördert Ehrlichkeit. Achten Sie auf die Sprache — das Ziel ist nicht, verletzende Bezeichnungen zu schreiben, sondern das Phänomen zu analysieren. Wenn die Atmosphäre angespannt wird, verweisen Sie auf die Gruppenvereinbarung. Unterstützen Sie sowohl die rollenspielenden Studierenden als auch die Zuhörer — dieser Teil kann emotional herausfordernd sein. Schließen Sie mit einer Diskussion über Verantwortung und Achtsamkeit in der medizinischen Praxis.

Diskussionsthemen

Analyse der Diskriminierungskette — wie ein Stereotyp in Handlung umgesetzt wird. Übung zu unbewussten Vorurteilen. Arbeit mit klinischen Fällen, in denen ein Stereotyp eine Rolle spielte.

Weitere Ressourcen

Macrae, C. N., Stangor, C., & Hewstone, M. (Eds.). (1996). Stereotypes and stereotyping. Guilford Press. Dovidio, J. F., Hewstone, M., Glick, P., & Esses, V. M. (2010). The SAGE handbook of prejudice, stereotyping and discrimination. SAGE Publications Ltd. Pager, D., & Shepherd, H. (2008). The sociology of discrimination. Annual Review of Sociology, 34, 181–209.

Zusätzliche Bemerkungen

Menschen erfinden Stereotype nicht — sie erben sie. Je eher wir das verstehen, desto leichter ist es, mit Empathie und Offenheit zu arbeiten. Diese Übung kann sehr bewegend sein — es lohnt sich, am Ende einen Moment der Stille und Selbstreflexion zu lassen.