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Aufgabe #23

Versorgung eines Patienten aus der chassidischen Gemeinschaft – medizinische Simulation

Autoren: Dr n. zdr. Aleksandra Brodowska, prof. UMMSC

Versorgung eines Patienten aus der chassidischen Gemeinschaft – medizinische Simulation

Beschreibung

Eine vierstufige medizinische Simulationsübung, bei der Studierende die kulturellen und religiösen Dimensionen der Versorgung eines chassidischen Patienten erkunden. Vor der Simulation kartieren die Studierenden ihre eigenen Überzeugungen und Annahmen. Während der Simulation überprüfen sie den klinischen Fall, übernehmen zugewiesene Rollen und schließen mit einer strukturierten Reflexion ab.

Methodischer Leitfaden

Ziele

Praktische Strategien zur Minimierung von Konflikten zwischen klinischen Anforderungen und religiösen Regeln erlernen.
Selbstreflexion und kritisches Denken in ethischen und kulturellen Kontexten entwickeln.
Fachliche Kompetenz mit kultureller Bescheidenheit verbinden.
Kommunikation und Teamarbeit in einem kulturell sensiblen klinischen Szenario üben.

Erwartete Ergebnisse

Studierende werden in der Lage sein, wichtige chassidische religiöse Praktiken zu identifizieren, die für die klinische Versorgung relevant sind (Schabbat, Kaschrut, Geschlechtertrennung). Studierende werden kulturelle Bescheidenheit demonstrieren, indem sie ihre eigenen Annahmen anerkennen und hinterfragen. Studierende werden das EMPOWER-Modell oder ein gleichwertiges Rahmenwerk im Simulations-Debriefing anwenden.

Übungsablauf

Phase 1 (vor dem Unterricht): Belief-Mapping-Arbeitsblatt Teil 1 ausgeben. Studierende füllen es individuell aus.
Phase 2: Klinischen Fall Moshe Cohen präsentieren.
Phase 3: Simulation durchführen. Vier Studierende übernehmen aktive Rollen; vier agieren als Beobachter.
Phase 4: Individuelle Reflexion nach der Simulation mit Belief-Mapping-Arbeitsblatt Teil 2.

Durchführungsform

Blended: individuelle Vorklassenaufgabe (Phase 1) asynchron absolviert; Simulation (Phasen 2–3) in Gruppen von 4 Studierenden plus 4 Beobachtenden; individuelle Reflexion nach der Simulation (Phase 4).

Rolle der Lehrkraft

Einführung der Vorklassenaufgabe und Leitung des Debriefings. Zuweisung der Simulationsrollen. Während des Szenarios Rollenspielende anleiten, ohne übermäßig zu steuern. Leitung des Nachbesprechung nach der Simulation anhand der Reflexionsimpulse. Sicherstellung einer sicheren, urteilsfreien Lernumgebung.

Theoretische Grundlagen

Die Übung basiert auf kultureller Bescheidenheit, die eine fortlaufende Selbstreflexion und ein Bewusstsein für Machtungleichgewichte in klinischen Beziehungen erfordert. Sie stützt sich auf das EMPOWER-Modell (referenziert im Arbeitsblatt zur Überzeugungskarte der Vorklassenaufgabe) als strukturiertes Rahmenwerk für kulturell sichere Kommunikation mit religiösen Patientinnen und Patienten.

Praktische Anwendung

Studierende füllen vor dem Unterricht ein Arbeitsblatt zur Überzeugungskartierung aus, um Annahmen sichtbar zu machen, und beschäftigen sich dann mit einem realistischen Fall eines chassidischen Patienten mit akutem Brustschmerz. Die während der Simulation zugewiesenen klinischen und Beobachterrollen spiegeln die tatsächliche Teamdynamik einer Station wider und erfordern die Anwendung kulturellen und religiösen Wissens in Echtzeit.

Wissenstransfer

Nach der Simulation überprüfen die Studierenden ihre Überzeugungskarte aus der Vorklassenaufgabe, um festzustellen, welche Annahmen sich verändert haben. Die Reflexionsimpulse zielen auf drei Bereiche: Schabbat-Einschränkungen, Kaschrut-Regeln und Geschlecht der Pflegenden — und verbinden die Simulationserfahrung mit zukünftigen klinischen Begegnungen mit religiös observanten jüdischen Patientinnen und Patienten.

Festigung und Reflexion

Phase 4 fordert die Studierenden auf, ihre Überzeugungen vor und nach der Simulation zu vergleichen und ihre kulturelle Kompetenz auf einer Skala von 1 bis 10 zu bewerten. Die Beobachterrollen während der Simulation (Phase 3) liefern strukturiertes Feedback zu kultureller Sensibilität, Verfahrensrespekt und Konfliktmanagement.

Benötigte Ressourcen

Simulationsraum oder Skills-Lab mit grundlegender kardiologischer Überwachungsausrüstung. Rollenkarten für 4 aktive Studierende und 4 Beobachtende. Arbeitsblätter Meine Überzeugungskarte (Phasen 1 und 4). Wissen über chassidische religiöse Praktiken (in den Fallnotizen bereitgestellt).

Bewertung / Evaluation

Formativ: Beobachter-Feedback während der Simulation anhand strukturierter Beobachtungskriterien. Reflexiv: individuelle schriftliche Antworten in den Phasen 1 und 4 (Meine Überzeugungskarte). Selbsteinschätzung: Kompetenzbewertung (1–10) in Phase 4.

Praktische Tipps

Ermutigen Sie die Studierenden, bei der Aufgabe zur Überzeugungskartierung ehrlich zu sein — betonen Sie, dass es keine richtigen Antworten gibt, nur persönliche Ausgangspunkte. Das Ziel ist Selbsterkenntnis, nicht Bewertung.

Diskussionsthemen

Wie beeinflussen Schabbat-Einschränkungen die klinische Entscheidungsfindung?
Wie kann ein Behandlungsteam religiöse Verpflichtungen mit dringenden medizinischen Bedürfnissen in Einklang bringen?
Welche Kommunikationsstrategien unterstützen Patientinnen und Patienten, die eine strikte Geschlechtertrennung beachten?
Wie können kulturelle Annahmen Diagnose und Therapieadhärenz beeinflussen?

Zusätzliche Bemerkungen

Diese Simulation verwendet ein Szenario mit einem chassidischen Patienten. Stellen Sie sicher, dass die Studierenden verstehen, dass die chassidische Gemeinschaft nicht monolithisch ist; individuelle Unterschiede bestehen. Das EMPOWER-Modell (Explain, Manage, Provide, Options, Warn, Educate, Return) kann als strukturiertes Rahmenwerk im Vorsimulations-Briefing eingeführt werden.