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Aufgabe #44

Führung in einem multikulturellen interdisziplinären Team

Autoren: E. Burbela, O. Fedortsiv, V. Djyvak

60-75 min

Führung in einem multikulturellen interdisziplinären Team

Beschreibung

Eine fallbasierte Entscheidungsübung, in der Sie die Rolle der neu ernannten klinischen Leitung einer fusionierten onkologischen Station übernehmen. Sie navigieren durch einen realen Beinahe-Medikationsfehler, der eine Kollision zwischen westeuropäischen und postsowjetischen professionellen Eskalationskulturen offenlegt. Stufe 1 ist ein Verzweigungsszenario; Stufe 2 ist eine kurze persönliche Reflexion.

Methodischer Leitfaden

Ziele

1. Verstehen, wie individuelle kulturelle Überzeugungen, berufliche Erfahrungen und Kommunikationsstile die Interaktionen in einem interdisziplinären Team beeinflussen.
2. Kompetenzen in effektiver interprofessioneller Kommunikation erwerben, einschließlich aktivem Zuhören, Dialogförderung und Konfliktlösung.
3. Die Rolle der Führungskraft bei der Schaffung eines inklusiven Umfelds schätzen, in dem unterschiedliche Perspektiven respektiert und genutzt werden.
4. Lernen, verschiedene Ansätze auszubalancieren, um einen ganzheitlichen, patientenzentrierten Pflegeplan zu entwickeln.
5. Verstehen, dass Multikulturalismus und Perspektivenvielfalt die Qualität und Sicherheit der Patientenversorgung verbessern.

Erwartete Ergebnisse

1. Die Studierenden werden in der Lage sein, verschiedene kulturelle Kommunikationsstile innerhalb des medizinischen Teams zu erkennen und effektiv zu navigieren.
2. Sie werden praktische inklusive Führungskompetenzen entwickeln, die zur Konsensbildung und Konfliktlösung in interdisziplinären Settings notwendig sind.
3. Die Teilnehmenden werden verstehen, wie die Nutzung verschiedener beruflicher und kultureller Perspektiven die Qualität der Patientenversorgungsplanung verbessert.
4. Es wird eine Einstellungsänderung erwartet, die sich in einer Abnahme ethnozentrischer Vorurteile und einem Anstieg des Niveaus kultureller Bescheidenheit manifestiert.
5. Die Studierenden werden besser auf ethische und kommunikative Herausforderungen im globalisierten Umfeld der modernen Medizin vorbereitet sein.

Übungsablauf

Stufe 1 — Entscheidungsszenario (15 Min.): Navigieren Sie durch einen verzweigten Entscheidungsbaum, der auf einem Beinahe-Medikationsfehler in einer neu fusionierten onkologischen Station basiert, wo zwei Teams unterschiedliche professionelle Eskalationsnormen haben. Ihre Entscheidungen bestimmen das Ergebnis. Stufe 2 — Schriftliche Reflexion (10 Min.): Beantworten Sie eine persönliche Frage zu den Führungsinstinkten, die Sie aus Ihrer eigenen professionellen Ausbildung mitbringen.

Durchführungsform

Einzelaktivität (verzweigtes Szenario + schriftliche Reflexion)

Rolle der Lehrkraft

Die Lehrperson führt kurz in das Thema ein und erklärt die Ziele (5 Min.), überwacht dann die individuelle Arbeit am Szenario und die Reflexion. Nach Abschluss leitet sie eine Gruppennachbesprechung darüber, was die Teilnehmenden über ihre eigenen Führungsinstinkte und kulturellen Annahmen herausgefunden haben.

Theoretische Grundlagen

Die theoretische Grundlage der Übung basiert auf dem Konzept, dass die moderne Gesundheitsversorgung in einer globalisierten Umgebung durch multidisziplinäre Teams funktioniert, deren Wirksamkeit entscheidend von der Fähigkeit der Fachleute mit unterschiedlichem kulturellem und beruflichem Hintergrund abhängt, Kommunikationsbarrieren zu überwinden und zusammenzuarbeiten. Kulturelle Unterschiede zwischen Teammitgliedern, die sich in Kommunikationsstilen (z. B. direkt oder indirekt), der Wahrnehmung von Hierarchie und Ansätzen der Entscheidungsfindung manifestieren, können erhebliche Barrieren schaffen, die die Qualität der Teaminteraktion und die Patientensicherheit beeinträchtigen. Inklusive Führung, die die aktive Einbeziehung aller Teammitglieder, den Respekt vor Meinungsvielfalt und die Förderung eines offenen Dialogs umfasst, ist eine Schlüsselkompetenz für eine Führungskraft, die potenzielle Konflikte in innovative und umfassende Lösungen umwandeln möchte.

Praktische Anwendung

Verbesserung der Qualität und Sicherheit der Patientenversorgung: Der Erwerb kultureller Kompetenz und interkultureller Kommunikationsfähigkeiten ermöglicht es Fachkräften im Gesundheitswesen, die individuellen Bedürfnisse der Patienten besser zu verstehen und das Risiko von Missverständnissen und Diagnosefehlern zu minimieren. Die Studierenden lernen, Sprachbarrieren zu überwinden, schwierige Gespräche zu führen und die Stärken jedes Teammitglieds zu nutzen, um umfassende Behandlungspläne zu entwickeln.

Wissenstransfer

Der Wissenstransfer erfolgt durch die Integration impliziter Simulationserfahrung mit expliziter theoretischer Reflexion während einer moderierten Diskussion. Dieser Prozess stellt die Umwandlung abstrakter Konzepte inklusiver Führung und interkultureller Kommunikation in nachhaltige, praktische Fähigkeiten sicher, die für effektives Arbeiten in klinischen Settings erforderlich sind.

Festigung und Reflexion

Die Festigung der Lernergebnisse erfolgt durch strukturiertes Feedback und die Entwicklung individueller Aktionspläne, die den Studierenden helfen, die erworbenen inklusiven Führungskompetenzen in realen klinischen Settings anzuwenden. Die Reflexion ermöglicht eine tiefgreifende Selbstanalyse und das Bewusstsein für kulturelle Voreingenommenheiten und verwandelt die Simulationserfahrung in nachhaltige berufliche Kompetenz und kulturelle Bescheidenheit.

Benötigte Ressourcen

Keine zusätzlichen Materialien über diese digitale Übung hinaus erforderlich.

Bewertung / Evaluation

Nach Wahl der Lehrperson: Selbsteinschätzung (Fragen zum Reflexionstagebuch, kurze schriftliche Rückmeldung), Peer-Bewertung (Gruppendiskussion, Peer-Feedback) oder Beobachtung durch die Lehrperson (Qualität der Teilnahme, Reflexionstiefe, Engagement in der Diskussion).

Praktische Tipps

1. Schaffen Sie eine sichere Umgebung: Legen Sie vor Beginn Regeln für Vertraulichkeit und gegenseitigen Respekt fest. Betonen Sie, dass Handlungen und Entscheidungen besprochen werden, nicht die Persönlichkeiten der Teilnehmenden.
2. Verwenden Sie ein strukturiertes Debriefing: PEARLS-Modell oder DAA (Beschreiben, Analyse, Anwendung). Beginnen Sie mit einer Reaktionsphase ("Was haben Sie gefühlt?"), bevor Sie zur Analyse ("Warum ist das passiert?") und Anwendung ("Was würden Sie anders machen?") übergehen.
3. Fördern Sie die Selbstreflexion: Verwenden Sie offene Fragen, die die Studierenden zur Introspektion über eigene Vorurteile und kulturelle Normen anregen. Kurze Pausen nach einer Frage helfen den Studierenden, ihre Gedanken zu formulieren.
4. Konzentrieren Sie sich auf 2–3 Hauptlernziele pro Sitzung (z. B. inklusive Führung und Kommunikationsstile).
5. Heben Sie systemische Probleme hervor: Gehen Sie nach der Besprechung individueller Handlungen zu systemischen Barrieren über (fehlende Dolmetscher, veraltete Protokolle).

Diskussionsthemen

Stufe 2: Führungsreflexion
Sie haben gerade ein multikulturelles Führungsdilemma in einer neu fusionierten klinischen Einheit navigiert. Schreiben Sie jetzt eine kurze persönliche Reflexion. Es gibt keine richtigen Antworten — nur ehrliche.
- Was ist ein Führungsinstinkt, den Sie haben (aus Ihrer eigenen professionellen Erziehung), der einem Kollegen aus einer anderen Ausbildungskultur als kulturelle Arroganz erscheinen könnte, und wie würden Sie ihn nächste Woche in sich selbst überprüfen?

Weitere Ressourcen

1. WHO course "Global Competency Standards for the Provision of Health Services to Refugees and Migrants": https://www.who.int/news/item/02-09-2024-who-launches-new-online-course-for-health-workers-on-caring-for-migrant-and-refugee-populations
2. The SHARE Approach — Essential Steps of Shared Decision-making: Quick Reference Guide: https://archive.ahrq.gov/health-literacy/professional-training/shared-decision/tools/share-tool1.pdf
3. A Physician's Practical Guide to Culturally Competent Care. Think Cultural Health: https://cccm.thinkculturalhealth.hhs.gov/
4. Salik I, Paige JT. Debriefing the Interprofessional Team in Medical Simulation. StatPearls. 2025. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK554526/
5. Botelho MJ, Lima CA. From Cultural Competence to Cultural Respect. Journal of Nursing Education. 2020;59(6):311–318.
6. Lambert S. Role of emotional intelligence in effective nurse leadership. Nursing Standard. 2021;36(12):45–49.